Über den Trauerfall (19)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Stefan Gillich, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Leerer Stuhl
26.12.2025 um 19:46 Uhr von AndreaDer Stuhl bleibt leer, auch dieses Jahr.
Kein Lachen füllt den Raum,
keine Schritte nähern sich der Tür.
Dein Platz ist da - genau wie immer -
doch nur die Erinnerung setzt sich zu mir.
Ich decke den Tisch mit zitternden Händen,
halte inne, weil mein Herz deinen Namen ruft.
Die Zeit geht weiter, sagen sie,
aber für mich bleibt sie hier stehen,
an deinem Stuhl an deinem Licht, an dir.
Du fehlst nicht nur heute,
du fehlst in jedem Atemzug.
Und doch bist du da -
in meinem Denken, in meiner Liebe, in allem, was ich bin.
15. Oktober
15.10.2025 um 20:35 Uhr von AndreaJedes Jahr um die gleiche Zeit
stirbt mein Herz deinen Tod.
Wenn der Kalender diese Zeit anzeigt,
falle ich zurück in die Vergangenheit.
Wenn die Natur mit bunten Blättern bedeckt ist,
sehe ich grau.
Wenn die Sonne sich auf den Gesichtern spiegelt,
ist sie für mich in Trauer.
Jedes Jahr um die gleiche Zeit
Sterbe ich deinen Tod.
Danke
17.03.2024 um 19:21 Uhr von AndreaIch danke dir, dass du bei mir warst,
für all die Stunden und Tage.
Es war dennoch zu kurz.
Danke dir,
denn durch dich habe ich das Leben anders gesehen.
Aber ich musst auch schmerzhaft sehen, wie es ohne dich ist.
Trotzdem - ohne dich wäre mein Leben "weniger" gewesen.
Dein Lachen, dein Ernst, unser Streiten - alles fehlt mir.
Ich danke dir, dass du bei mir warst.
Und ich hoffe, dass ich dir eines Tages DANKE sagen kann.
Aus Sein Lachen bleibt immer bei uns von Gordon Livingston
14.09.2014 um 21:22 Uhr von Andrea.....
Ich bemühe mich weiterhin, Schritt für Schritt aus der Schlucht, die uns vor drei Jahren verschlang, hinauszuklettern. Ich bin auf der Suche – nicht nach dem Ende der steilen Wand, sondern nach einem Felsvorsprung, wo ich mich einen Augenblick lang ausruhen kann. Ich klammere mich an den steinigen Hang meines Lebens und fürchte ständig, in einem Akt sinnloser Selbstaufgabe wieder ins Bodenlose zu stürzen. Ich kann mir noch nicht vorstellen, einen Gipfel zu erreichen, sondern bemühe mich unter Schmerzen, langsam weiter emporzusteigen, während das Gewicht der Vergangenheit ständig auf meinen Schultern lastet. Wo sind die sonnigen Ebenen und die stillen Wälder, an die ich mich erinnern kann? Zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit dachte ich, die Steilhänge des Lebens lägen hinter mir, aber jetzt bin ich wieder hier, das Gesicht gegen den Stein gepresst.....
Der ungebetene Gast
03.08.2014 um 20:26 Uhr von Andrea
Die Trauer ist ein unerwarteter Gast. Eines schönen Tages klopft sie an Deine Tür und fragt nicht erst, ob sie hereinkommen darf, sondern sie setzt sich mitten in Dein Wohnzimmer und macht es sich bequem und gemütlich.
Am Anfang denkt man sich „nun gut, irgendwo muss sie ja sein“ und bleibt gastfreundlich. Dann kommt der Punkt, wo man sich denkt „nun könnte sie aber mal langsam wieder gehen“ und versucht, mit allerlei diplomatischen und weniger diplomatischen Mitteln, sie dazuzubringen, aufzustehen und sich zu verabschieden, weil man gern mal wieder für sich sein möchte. Aber nein, sie hockt da, stumm und unversöhnlich und bewegt sich kein bisschen vom Fleck. Du versuchst sie rauszuzerren, rauszuekeln - aber sie sitzt da einfach. Jeden Tag versuchst Du es wieder, doch wie ein Sack nasser Zement thront sie auf Deinem Sofa und schaut Dir die ganze Zeit über die Schulter. Du fühlst Dich beobachtet und unwohl – aber
Sie sitzt da einfach.
Und schweigt.
Und wartet.
Und Du weisst nicht mal worauf, geschweige denn wie lang. Und noch ein Tag und noch ein Versuch, sie zum gehen zu bewegen. Herrgott, in unserer modernen Welt muss es doch möglich sein, der Lage Herr zu werden! Aber nein, dieses Ding hockt da wie eine Spinne im Netz und wartet.
Ok, raus will sie nicht. In Deinem Wohnzimmer ist zu wenig Platz.
Also fängst Du an, Dich an sie zu gewöhnen. Stellst den Tisch ein bisschen weiter da und den Stuhl ein bisschen weiter dort - und nun sitzt sie zwar noch immer da, aber nicht mehr in der Mitte.
AHA! - denkst Du Dir! Ich kann sie nicht zum Gehen bewegen - aber ich kann mich um sie herum bewegen. Ein bisschen Möbel umstellen, ein bisschen Perspektive wechseln und schon sieht sie nicht mehr so bedrohlich aus. Tatsächlich kannst Du sogar um sie herumgehen und sie von hinten anschauen – unspektakulär!
Weitere Tage vergehen und sie setzt schon langsam ein bisschen Staub an, bis sie sich plötzlich wieder mal schüttelt, eine Trauer-Staubwolke aufsteigt und Dich einhüllt. „Hust“ Du stellst den Tisch noch ein bisschen mehr dort und den Stuhl noch ein bisschen mehr da, und auf einmal ist sie nur noch der Rand Deines Wohnzimmers und nicht mehr das Zentrum.
Aber sie sitzt noch immer da. Manchmal wirft sie Dir einen vorwurfsvollen Blick zu und Du fühlst dich versucht, sie wieder in die Mitte auszurichten. Manchmal schüttelt sie sich und hüllt Dich in eine Staubwolke.
Aber irgendwann ist sie so eins geworden mit Deinem Wohnzimmer, dass Du sie nicht mal mehr siehst, ausser wenn sie sich grad schüttelt. Und das wird sie immer wieder tun. Doch so hast Du aus der Not eine Tugend gemacht und dank dem ungebetenen Gast, der nicht mehr gehen wollte, eine ganz neue Perspektive in Dein Leben gebracht.
Und würde man nun die Trauer aus Deinem Wohnzimmer entfernen - so würde ein hässlicher, kahler Fleck bleiben.